STORM CORROSION – same (Roadrunner/Warner)
Einige Male wurde dieses Projekt bereits auf die lange Bank geschoben, was beim Arbeitspensum der Hauptdarsteller ja auch völlig verständlich ist. Nun liegt uns endlich das Ergebnis dieser lang erwarteten Zusammenarbeit vor, und natürlich ist es nicht das volle Heavy Metal-Massaker geworden - das hat erstens ja eh keiner erwartet, und zweitens wäre es auch völlig sinnlos gewesen. Wer Mikael Akerfeldt (OPETH) und Steve Wilson (PORCUPINE TREE plus noch etwa dreihundert andere Bands) kennt, und sich mit ihrem Schaffen halbwegs auseinander gesetzt hat, der wird schnell erkennen, dass es gar nicht anders gegangen wäre, als "Storm Corrosion" einfach ein ruhiges, verträumtes, sphärisches Stück Musik werden zu lassen.
Und...Alter, was für eine Satzkonstruktion!
Die sechs Stücke scheinen irgendwie zwischen Himmel und Erde zu schweben, Rhythmen werden bloß perkussiv angedeutet, verträumt hängen die Tonfolgen in der Luft (was wird´n am Wienerberg grad so geraucht? Andi). Man denkt, jetzt steuert dieser oder jener Part auf irgendetwas zu, wird im nächsten Moment vielleicht enttäuscht, wenn dem doch nicht so ist. "Drag Ropes" baut sich bedrohlich auf, wie ein beginnender Sturm, basiert auf Elementen, derer sich auch ROSE KEMP oder TUXEDOMOON bedienen, hat zusammen mit seinem seltsamen Videoclip schon ein wenig Tim Burton-Schräglage und imponiert mit absonderlichem Gesang. Der Titeltrack erblüht aus Dissonanzen, die jeglicher Struktur zu entbehren scheinen, wie aus einer Klangwolke, die ohne Ziel umher schwebt. "Hag" scheint so etwas wie eine Struktur anzustreben, ist mit seinen zarten Piano-Melodien und Jazz-Tupfern auch relativ zugänglich. Ähnlich geartet auch das kurze "Happy", das mit den typischen, bittersüßen Akerfeldt-Gitarren verzaubert und folglich ein wenig an den letzten OPETH-Longplayer "Heritage" erinnert. Auch Zitate vom letzten Wilson-Solo-Opus "Grace For Drowning" blitzen hie und da auf. Nichtsdestotrotz: die Bands der beiden Protagonisten sind hier völlig aus dem Geschehen geblendet, und das ist gut so.
Am schnellsten auf den Punkt kommt "Lock Howl", ein unkompliziertes Kleinod, bevor es mit "Ljudet Innan" schwer avantgardistisch zur Sache geht, langgezogene, luftige New Age-Harmonien münden in entspannte, nur von leisen Tom-Toms begleitete Jazz-Spielereien. Und jetzt seien wir uns mal ehrlich: hätte irgendjemand etwas anderes erwartet?
Eben.
Mikael und Steven haben den Rock mal beiseite gelegt, chillen zusammen durch das herbstliche Hertfordshire (wo das Teil in Wilson's "No Mans Land"-Studio entstanden ist), alles wirkt extrem zurückgenommen und distanziert, aber irgendwo auch wieder massiv hypnotisierend. Darum wird man nach anfänglicher Skepsis immer wieder gerne zu den sechs Stücken zurückkehren, die sowohl als Background-Musik taugen, als auch als ganz großes, expressionistisches Kino verstanden werden wollen.
www.stormcorrosion.com
Mike
MAD MAX - Another Night Of Passion (Steamhammer / SPV)
Man konnte Michael Voss ohnehin noch nie unterstellen, er würde nicht mit Vollgas durch seine Karriere düsen. Doch dermaßen umtriebig wie dieser Tage dürfte der gute Mann schon lange nicht gewesen sein. Nicht nur, dass er vor kurzer Zeit als Songwriter seinem Kumpel Leon Goewie tatkräftig zur Seite gestanden hat, um das neuen VENGEANCE-Werk zu veredeln, auch auf seiner eigentlichen „Baustelle“ MAD MAX hat sich einiges getan.
Sehr viel sogar und dazu scheint man von Beginn der aktuellen Tätigkeiten an ganz bewusst an die stärkste Zeit von MAD MAX gedacht zu haben. Auffällig ist nämlich nicht bloß der an das 1987er Album „Night Of Passion“ angelehnte Titel, sondern auch die musikalische Darbietung der Herren Voss, Jürgen Breforth (Gitarre), Axel Kruse (Drums) und Roland Bergmann (Bass), die exakt dort anschließt, wo das „Mäxchen“ anno 87 aufgehört und knapp zehn Jahre vergehen hat lassen, ehe man den „Dornröschenschlaf“ 1999 wieder beendete.
2012 kredenzt man endlich wieder jenen erfrischenden Hardrock in melodischer Ausführung, für den sich vor mittlerweile 25 Jahren weltweit Fans begeistern konnten. Darüber hinaus weiß die Truppe heute sogar mit heftigeren, teilweise metallischen Legierungen zu punkten, kann jedoch selbstredend auch mit balladeskem Material imponieren. Gelungen auch die lyrische Komponente in der man sehr wohl Erlebnisse als Band („Rocklahoma“ - von jenem US-Festival inspiriert) verarbeitet hat, aber durchaus auch einen gewissen Hang zur Selbstironie unter Beweis stellt wie in „40 Rock“.
Man darf gespannt sein, was uns Michael Voss und seine Getreuen in Zukunft noch anzubieten haben werden: das Feuer jedenfalls lodert wieder amtlich und zudem sei erwähnt, dass sich MAD MAX die besungene „Metal Edge“ wahrlich erhalten haben!
www.madmaxofficial.de
Walter
SUPERBUTT - Music For Animals (Edge Rec./Soulfood)
Der fünfte Streich der Budapester ist zwar bereits im November erschienen, aber erst jetzt auf meinem Schreibtisch gelandet. Das bis auf Sänger András komplett runderneuerte Quintett tut sich aber noch schwer, seinen eigenen Stil zu finden. Habe ich die Band von ihrem letzten Auftritt noch als sehr PANTERA-lastig in Erinnerung, so driftet das - zugegeben durchaus starke! - Material der neuen Scheiblette irgendwie in die DOWN-und HELLACOPTERS-Richtung. Ok, werden die Klugscheißer unter euch jetzt wieder sagen, diese Bands sind ja alle nun auch nicht ganz so weit voneinander entfernt… aber darum geht's ja hier auch nicht.
Markantes Merkmal von SUPERBUTT war und bleibt Shouter András Vörös. Die neuen Musiker spielen dichter zusammen als das alte Line-Up, die Songs kommen ziemlich schnell auf den Punkt, und vom ehemaligen Attribut "die ungarischen SYSTEM OF A DOWN" ist nicht mehr allzu viel zu erkennen. Gottseidank möchte ich sagen, denn SUPERBUTT sind auf einem guten Weg, ihre Nische zu finden, und die liegt irgendwo zwischen zugänglichem Groove-Metal (ein furchtbarer Terminus, ich weiß...) und tonnenschwerem Riff'n'Roll.
Das mit feinen Gesangsparts ausgeschmückte "Natasha", der abwechslungsreiche Groover "Out Of Reach" oder die flotten Arschtreter "Ugly Head" und "Revolting Kids" (erinnern vor allem bei der Gitarrenarbeit ein wenig an LAMB OF GOD) sind nur ein paar Anhaltspunkte für das kompakte Zusammenspiel der neuen Besetzung, und eine Andeutung, was da kompositorisch alles noch möglich ist. Insgesamt hoffe ich, dass den Ungarn mit dieser Platte endlich die Aufmerksamkeit zu Teil wird, die sie schon längstens verdienen, denn hier sind Leute am Werk, die ihr Handwerk beherrschen und es völlig unprätentiös an den Mann bringen. Leute, die sich immer noch für ein Gulasch (!) und ein Bier auf jedem Zeltfest dieser Welt den Arsch aufreißen.
Übrigens: krallt euch wenn's geht die Deluxe-Edition mit vier Bonus-Tracks in ungarischer Sprache, einer gelungenen Fassung von Paul Anka's Klassiker "She's A Lady", und auch der bereits zigmal durch den Fleischwolf gedrehte Neil Young-Standard "Rockin' In A Free World" wurde mit Sicherheit noch nie so innbrünstig dargeboten.
www.superbutt.net
Mike
TOUCHSTONE - Discordant Dreams / Wintercoast / Mad Hatters Enhanced (Re-Releases) (Steamhammer/SPV)
Ihr im letzten Jahr veröffentlichtes Album „The City Sleeps“ sorgte nicht nur für blendende Kritiken, auch von den Fans wurde der elegante wie üppige Prog Rock der Briten überaus begeistert aufgenommen.
Und zwar so sehr, dass sich TOUCHSTONE bis in die Top 40 der Albumverkaufscharts emporarbeiten konnten. Ein mehr als nur respektabler Erfolg für eine Truppe, die zwar an sich schon seit ihren Anfängen für edle Klänge zu sorgen pflegte, bislang aber dennoch bei weitem nicht die gebührende Anerkennung erhielt. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil man mit derlei Sounds generell nur sehr schwer die Charts entert. Doch das ist nun geschehen und TOUCHSTONE offenbar in einschlägigen Kreisen der aktuell „heißeste Sch..“, den Britannien zu bieten hat. Um jegliche Unkenntnis zum Thema endgültig auszuräumen, werden dieser Tage die Debüt-EP „Mad Hatters“, sowie die beiden bisher veröffentlichten Langeisen „Discordant Dreams“ und „Wintercoast“ als feine Neuauflagen serviert, wobei mit Bonus-Material keineswegs gegeizt wird und dieses die kolportierte Stärke der Band auf der Bühne untermauert.
Die von Rob Cunningham (Gesang, Tasteninstrumente) angeführte (und immer wieder rundum neu zu besetzende Band – beispielsweise am Mikro, das Liz Claydon auf der EP innehatte, es danach jedoch an Kim Seviour weiterreichte) Formation, die bisher sowohl vor Rock-Legenden von URIAH HEEP oder ASIA, wie auch vor Prog-Heroen wie IT BITES oder KARMAKANIC bestehen konnte, weiß nämlich nicht nur mit vielschichtiger und edler Studioarbeit zu glänzen, sondern scheint sich auch auf den Brettern pudelwohl zu fühlen. Genau das kann nunmehr durch die Bonus-Live-Nummern „Original Sin“ und „Dignity“ (beide von der EP; aufgenommen in den USA), den vom „High Voltage“-Festival in London im Jahr 2000 mitgeschnittenen Tracks „Wintercoast“ und „Strange Days“ (auf „Discordant Dreams“), sowie „Shadow“ und „Joker in the Pack“ (auf „Wintercoast“) nachvollzogen werden.
Kurzum: Gelungene Neuauflagen von empfehlenswerten Scheiben einer aufstrebenden Band!
www.touchstonemusic.co.uk
Walter
BARREN EARTH - The Devil's Resolve (Peaceville/Edel)
Hossa! Da hätten wir ja ein paar alte Bekannte. Oli-Pekka Laine kennen wir ja noch aus früheren AMORPHIS-Tagen, und Saitenhexer Sami Yli-Sirniö dürfte bei KREATOR momentan nicht ausgelastet genug sein. Der Rest der Horde rekrutiert sich aus dem MOONSORROW-, MANNHAI-und SWALLOW THE SUN-Lager. Scheinbar kann man in Finnland nur entweder in vierzehn Bands gleichzeitig spielen oder gar nicht. Das Resultat - sprich: der zweite Longplayer - lässt aber nichts davon anmerken, dass hier irgendjemand überarbeitet wäre. Besser noch: "The Devil's Resolve" wird einigen die Freudentränen ins Äuglein treiben!
Und zwar jenen, die ältere AMORPHIS-Scheiben immer noch mögen und kein Problem damit haben, wenn's ab und zu ein wenig progressiv angehaucht ist. Aber letztendlich ist die Sache eigentlich Death Metal mit teilweise Folk-Übergewicht, auch Dark Metal-Versatzstücke kann man ausmachen. Der Gesang von Mikka Kotamäki (SWALLOW THE SUN) wechselt zwischen Growl und Clean, die Gitarrenarbeit ist großartig und meistens über jeden Zweifel erhaben ("White Fields"). Irgendwie bekommt man den Eindruck, dass hier alle Beteiligten irgendwas aus ihren ganzen anderen Combos einfließen haben lassen - und das erweist sich in diesem Fall als absoluter Volltreffer.
Das wunderschön folkig besprenkelte "The Rains Begin" sticht ein wenig hervor, ebenso das mit Highland-Melodien durchzogene "As It Is Written". Dem gegenüber stehen eher harschere Ausbrüche wie "Vintage Warlords" (AMORPHIS lassen grüßen) oder das anfangs ziemlich heruntergebremste "The Dead Exiles" mit seinen abgrundtiefen Voclas, das sich später in einen Hoppelgalopp der Marke UNLEASHED verwandelt. Der Opener "The Passing Of The Crimson Shadows" ruft einem dann noch tatsächlich CONCEPTION in Erinnerung und "White Fields" liebkost uns mit einem wunderschön progressiven Songkonstrukt und gar abartigen Melodien.
Nach dem Debut "Curse Of The Red River" (2010) konnten sich die Finnen hier zweifelsohne noch um eine ganze Stufe nach oben hieven, und knallen uns ein unprätentiöses Album vors Gesicht, das grob gesehen keinerlei Mängel aufweist, herrlich altmodisch und fortschrittlich gleichzeitig ist, und für mich schon jetzt zu den bemerkenswertesten Outputs des heurigen Jahres zählt.
www.facebook.com/BarrenEarth
Mike
FAIR WARNING - Best And More (Steamhammer / SPV)
Nein. Auch ich habe keine Ahnung, weshalb diese Band aus Hannover in Japan zu den absoluten Superstars gehört, vom Rest der Welt aber eher als „Underground-Thema“ betrachtet wird. Unverständlich vor allem deshalb, weil es die Truppe rund um Sänger Tommy Heart niemals wirklich darauf angelegt hatte, spezielle Sounds zu produzieren, die für das „Land der aufgehenden Sonne“ konzipiert waren.
Aber egal, vielleicht kommt es der gut 20 Jahren existierenden Band nunmehr zugute, dass man sich auch hierzulande endlich wieder daran erinnert, dass Melodien selbst in der Rockmusik das Um und Auf sind und welch‘ sträflich unterbewertete Melodic Rock-Blümlein auch in unseren Breiten gedeihen. Für Neueinsteiger jedenfalls stellt diese 32 Tracks umfassende Werkschau eine wahre Fundgrube dar, doch auch Komplettisten dürften ihre Freude daran haben, auch wenn mit unveröffentlichtem Material eher gegeizt wird, gibt es doch bloß ein einziges Exemplar davon zu hören. Dennoch macht es Sinn, sich dieses Album zuzulegen, zum einen weil der Doppel-Whoppper zum Preis einer „normalen“ CD erhältlich sein wird und zum anderen, weil sich so manch‘ mühselig selbst zusammengestoppelte Kollektion dadurch von selbst erübrigt hat.
Bleibt bloß noch die Frage offen, weshalb man da drüber im Osten nicht immer dermaßen viel Geschmack beweist.
www.fair-warning.de
Walter
HEIDEVOLK – Batavi (Napalm/edel)
Inmitten des mittlerweile herrschenden Pagan-Dickichts genießen die Holländer vom HEIDEVOLK nach wie vor eine Ausnahmestellung. Noch, wohlgemerkt, denn eigentlich ist der Grat ein schmaler, der blutigen Kommerz von innovativem Freigeist trennt. Zwei Jahre nach "Uit Oude Grond" lassen die Jungs aus Arnhem ein Album rüberwachsen, das um einen ganzen Zacken härter ausgefallen ist als seine Vorgänger. Anstatt sich mit ödem Folklore-Geklimper aufzuhalten, wetzt man die Äxte (sprich: die Gitarren), ölt die Kehlen mit ordentlich Met und spannt frische Schweinsmägen über die Trommelkessel.
"Batavi" darf als Konzeptwerk gesehen und gehört werden, in neun Kapiteln und Songs erzählen uns HEIDEVOLK also von den Batavern, die rund um Christi Geburt vom heutigen Hessen aus in die Schlachten gegen die Römer zogen. Was die fünfköpfige Band seit jeher so einzigartig ertönen lässt, ist mit Sicherheit der zweistimmige Klargesang, der den Songs eine recht erhabene, fast schon bedrohliche Grundstimmung aufdrückt… und wenn die Baritone und Bässe von Joris und Mark zum Schlachtenruf anheben, erzittert alles ringsum in Ehrfurcht. An der Instrumentenfront hat sich das Kollektiv diesmal für ein zwar gitarrenlastiges, aber recht einfach strukturiertes Songschema entschieden, das einen immer ein wenig an AMON AMARTH denken lässt.
Das Rad wird hier bei weitem nicht neu erfunden, aber die simplen, sonoren Gesänge auf Holländisch haben immer noch ihre ureigene Ausstrahlung und eine fast hypnotische Wirkung. HEIDEVOLK wird man demnach auch in Zukunft von der Masse gleichgesinnter Bands unterscheiden können. Mit diesen acht Hammersongs (plus einem kurzen Zwischenspiel) vom Kaliber des überragenden "Wapenbroeders" oder dem beschwörenden "Vrijgevochten" hat man auch live die Fanscharen auf seiner Seite. Das HEIDEVOLK ist demnach nicht gefährdet, auf die falsche Seite des schmalen Grats abzustürzen.
Und "Batavi" wird mehr als bloß einmal im Player rotieren, soviel kann ich euch verraten...
www.heidevolk.com
Mike
DEEP PURPLE - Total Abandon - Australia `99 (Eagle/Edel)
Hierbei handelt es sich um weit mehr als nur ein weiteres Live-Dokument der Rock-Institution. Schließlich sollte selbiges Werk, dass bald nach der eigentlichen Aufzeichnung anlässlich des Gastspieles der Herrschaften am 20. April 1999 im „Melbourne Park“ während der „A Band On World Tour” als DVD aufgelegt wurde, zu einem der meistverkauften Veröffentlichungen in diesem Sektor in Australien überhaupt werden.
Die Setlist enthält logischerweise einige Titel der zu jenem Zeitpunkt brandaktuellen „Abandon“-Scheibe, aber auch das Debüt von Gitarrist Steve Morse nur einige Zeit davor - mit dem Titel „Purpendicular“ - wurde gewürdigt. Generell kann man festhalten, dass sich Steve spätestens zu diesem Zeitpunkt als überaus gewinnbringender Mitstreiter beweisen konnte, schließlich muss man erst einmal den Mut aufbringen, solche Klassiker wie „Strange Kind Of Woman“, „Woman From Tokyo“ oder das für die Band unvermeidliche „Smoke On The Water“ nicht nur detailgetreu zu intonieren, sondern auch mit zumindest dem Ansatz einer eigenen Note darzubieten.
Und genau das scheint den Auftritt an jenem Abend immens beflügelt zu haben, sodass es einmal mehr eine Wonne ist, sich ein Live-Album von DEEP PURPLE zu Gemüte zu führen!
www.deep-purple.com
Walter
LEMMY - Das Hoerbuch (Rockhoerbuch/Metalville)
Biografien von Musikern sind in den letzten Jahren in bemerkenswerter Anzahl erschienen, weshalb es auch nur eine Frage der Zeit gewesen ist, ehe sich ein Verlag auch am generell im Trend liegenden Medium „Hörbuch“ versuchen würde. Und da kann man mit dem Großmeister des harten Rocks schon einmal nicht viel falsch machen, denn kaum eine andere Ikone der Szene hat eine dermaßen intensive Karriere durchlebt wie Lemmy.
Geradezu logisch, dass man bei der Abhandlung der Historie chronologisch vorgegangen ist und nach einer kurzen „Einleitung“ und Vorstellung von Ian Fraser Kilmister sofort mit dem Kapitel HAWKWIND nachsetzt, ehe es mit dem Startschuss von MOTÖRHEAD in den 70er Jahren weitergeht. Kapitel für Kapitel werden Mitstreiter kurz portraitiert, die wichtigsten Geschehnisse kommentiert und zudem die Geschichte mit diversen Presse-Zitaten ausstaffiert. Eine wirklich unterhaltsame wie informative Angelegenheit, auch wenn es für den Insider wohl kaum neue Erkenntnisse zum Thema geben wird. Doch genau daran liegt wohl auch die Schwierigkeit eines solchen Unterfangens: Wie bitte soll man eine umfangreiche Geschichte wie jene von Lemmy auch nur annähernd komplett binnen zwei CDs wiedergeben können, ohne etwas auszulassen?
Eben. Von daher ist „Lemmy- das Hoerbuch“ eine informative wie abwechslungsreiche Angelegenheit, die professionell vorgetragen wird und sich als ideales „Ergänzungsprogramm“ (zumal man die gesamte Geschichte von MOTÖRHEAD quasi im Schnelldurchlauf Revue passieren lassen kann) für jedes heimische Archiv erweist. Coole Idee, bitte mehr davon!
www.rockhoerbuch.de
Walter
JUDAS PRIEST - Der Stählerne Weg (Rockhoerbuch/Metalville)
Wer das Buch gleichen Titels kennt, wird wissen, wie akribisch Autor Matthias Mader die Geschichte der britischen Stahl-Schmiede aufgearbeitet hat. Und wieviel Herzblut er und sein IRON PAGES-Team auch in diese Veröffentlichung gesteckt haben müssen.
Ehrlich gesagt war mir zunächst ein wenig mulmig, als ich mir besagtes Werk „vorlesen“ hab‘ lassen, vor allem deshalb, weil ich mir nicht wirklich vorstellen konnte, dass man ein mehr als 250-seitiges Buch komprimieren und in relativ kurzer Form von zwei CDs vortragen kann, ohne dabei wichtigen Fakten weglassen zu müssen.
Doch das „Experiment“ ist geglückt, die zwei Silberlinge beinhalten tatsächlich die gesamte Historie von PRIEST und arbeiten jene Phase, als Al Atkins das Mikro innehatte, ebenso informativ und umfassend auf wie auch auf sämtliche Schlagzeuger (vor allem in der Frühzeit des Band der vakante Posten) eingegangen wird. Dass selbstredend sämtliche Alben kommentiert werden, versteht sich von selbst. Detto nicht vernachlässigt wird, dass JUDAS PRIEST seit jeher für umfangreiche Gastspielreisen bekannt sind. Dass bei einem dermaßen umfangreichen Back-Katalog die Subjektivität des Autors zu unterschiedlichen Eindrücken führt und sich die Meinung zu einzelnen Werken nicht mit jener des Lesers bzw. Hörers deckt, ist logisch, ebenso die unterschiedlichen Auffassungen von Wichtigkeit und Qualität einzelner Werke und Phasen.
Ich persönlich empfinde zum Beispiel, dass „Killing Machine“ nicht in gebührender Form honoriert wird, bin mir aber auch sicher, dass es unzählige Fans geben wird, die gerade dieses Album als „jetzt nicht ganz so essentiell“ im Vergleich zu späteren Scheiben empfinden werden. Doch genau darin aber besteht das Spannende an diesem Hörbuch, denn abweichend von rein sachlichen Informationen lebt die Chose vom Umstand, dass ein Fanatiker der Band dieses Buch geschrieben hat und sehr wohl auch seine persönlichen Emotionen mit einfließen hat lassen. Das tut der Sache ebenso gut wie auch der Vortrag von GRAVE DIGGER-Keyboarder H.P. Katzenberg (Respekt der Herr, da scheint sich jemand für einen weitere „Einkommensquelle“ regelrecht aufzudrängen!), der die „Seele“ des Autors zusätzlich belebt.
Kurzum: Eine sehr informative wie unterhaltsame Angelegenheit, die nicht nur für Die-Hard-PRIEST-Jünger absolut empfehlenswert ist, sondern erst recht für alle Jungspunde, die mit der Geschichte der Band nicht ganz so vertraut sind.
www.rockhoerbuch.de
Walter
ACE FREHLEY - Keine Kompromisse (Buch (Iron Pages Verlag)
Zwar sind Gene Simmons und Paul Stanley immer noch die beiden treibenden Kräfte hinter dem Unternehmen KISS, doch ohne ihren „Sternenmann“ an der Gitarre wäre die Karriere der Amis wohl fraglos anders verlaufen.
Gerüchte, dass Paul Daniel „Ace“ Frehley und die beiden Protagonisten nicht immer einer Meinung gewesen sind, gab es schon in der Frühzeit und ebenso noch Jahre später, als der Klampfer längst nicht mehr zum Line-Up gehörte. Von daher war es geradezu notwendig für Ace, sich eines Tages mit einer schonungslosen Abrechnung Luft zu verschaffen. Einen passenderen Titel (im Original: „No Regrets“) hätte sich der gute Mann - der von Joe Layden, der zuletzt mit Dave MUSTAINE an dessen Biographie gearbeitet hatte, und dem früheren MTV-Mitarbeiter John Ostrosky unterstützt wurde – auch erst gar nicht einfallen lassen können, denn offenbar war der kreative Werdegang von KISS auch von einer Art „Hassliebe“ zwischen Simmons und Frehley geprägt.
Dass derlei Beziehungen sehr wohl auch fruchtend sein kann, weiß die Rock-Welt ohnehin schon seit der Kooperation der Herren Blackmore und Lord und von daher erschien der Durchmarsch der „Maskenmänner“ als fast logisch. Doch wer noch immer die Meinung vertritt, Geld heilt alle Wunden, sieht sich getäuscht, denn Ace nimmt sich auch diesbezüglich kein vor den Mund. Weder was das Business an sich betrifft und schon gar nicht, wenn es nur um seine eigene Person geht. Ace hat das offenbar nicht notwendig und ist auch heutzutage nicht im Geringsten bereit, etwas beschönigen zu wollen. Auch dass ein Großteil der niedergeschrieben Anekdoten und Stories mit Alkohol, Drogen und anderen Exzessen in unmittelbaren Zusammenhang zu bringen sind, sollte wenig verwundern. Wie auch die Tatsache, dass Ace es absolut nicht verkraften konnte, dass man in Tommy Thayer einen „Nachfolger“ für seine Figur (!) in das Line-Up integriert hatte.
Kurzum: Hier werden Fakten und Tatsachen aufgetischt, die bislang wohl noch nicht wirklich bekannt waren, und zwar negative wie positive. Oder habt Ihr gewusst, dass Ace - ähnlich dem jungen Lemmy – kurzfristig als „Roadie“ bei Jimi HENDRIX gejobbt hat? Oder er ein sehr inniges Verhältnis zu „Blues Brother“ John Belushi pflegte? Überzeugt Euch selbst, dieses Buch gibt definitiv etwas her! Und weil man bei der Übersetzung auf einen lockeren Schreibstil geachtet hat, ist das Lesevergnügen ein immenses.
Wie für Biographien aus dem Hause Iron Pages üblich, hat man in den 256 Seiten umfassenden Schmöker selbstredend auch erlesenes Bildmaterial integrieren können, doch selbst ohne diesen Exklusivitätsanspruch sollte „Keine Kompromisse“ auch außerhalb der KISS-Fanatiker für pure Unterhaltung sorgen.
www.ip-verlag.de
Walter |